Spreading fear and mayhem in the visual arts.

The Dream 002: Il sueño de la razon

by Suzanne on January 14th, 2007


Der Nachtmahr by Johann Heinrich Füssli - click to enlarge

About a month before my birthday, I always get a series of highly bizarre dreams. They normally culminate in a finale grande of Felliniesque dimensions in the night from the 13th to the 14th of February.

So the one I'm describing below is just the harmless start of this series...

There's always a lot of talking, discussing and loud thinking going on in my dreams. And even though I often dream in English - mostly whenever Mr. D. or my friends in London are involved - the vast majority of my dreams is still in German - Swiss-German, to be precise. I've been known to dream in Latin too (I always loved the works of Catullus and Apuleius who often haunted me in my sleep) and I even get purely numerical dreams every now and then. They often involve me watching myself sitting at a candle-lit desk writing down the beloved Fibonacci sequence.

Anyhow, the dream I had last night was a purely German dream and I decided not to translate it into English as it would lose much of its directness and tangibility.

The dream was set in war-time Strasbourg. I know that for certain as I spent many hours on top of the Cathédrale Notre-Dame of Strasbourg looking over the roofs of that beautiful city into the Alsace. It's the steep maisonette roofs that always fascinated me. And it was on those roofs, the roofs of Strasbourg, where my dream started...

Traumszene I - Der Umzug und der Sturz

Es geschah, dass wir umziehen mussten. Die Strasse, in die wir zogen, erinnerte mich stark an die Architekturbeschreibungen in Gustav Meyrinks Golem. Jedoch war auf Gehsteighöhe alles schon so zerbombt, zugebaut und zugeteert, dass man Möbelstücke nur noch über die Dächer der Stadt bewegen konnte.

Ich stand bereits am Fenster der kahlen und ungeheizten Wohnung und beobachtete fasziniert, wie ein Umzugsarbeiter mit meinem Lieblingsspiegel über die Maisonette-Dachstockwohnungen der hohen Stadt wie ein Hochseilakrobat hin und her schaukelte. Der Spiegel drehte sich zu mir und das reflektierte Sonnenlicht blendete mich. Als ich wieder etwas erkennen konnte, hatte sich der Arbeiter bereits ein gutes Stück weiterbalanciert. Er winkte mir euphorisch zu, verlor dabei das Gleichgewicht und stürzte mitsamt dem Spiegel in die Häuserschlucht hinab - den Spiegel wie ein aerodynamisches Projektil fest mit beiden Händen umklammert.

Traumszene II - Die Badewanne und die Treppe

Als er am Boden aufprallte, zerschellte der Spiegel in Tausend kleine Scherben, die sich in Wassertropfen verwandelten. Es toste und brauste und nachdem der Wasserdampf - der bis an die Dächer der umliegenden Häuser stob - sich geklärt hatte, sah ich den Arbeiter mit völlig zerschnittener Haut unten im Innenhof in einer blutgetränkten Badewanne sitzen. In seiner linken Hand konnte ich zwei kleine Punkte ausmachen.

Ich rannte hinunter, wobei ich aufpassen musste, nicht auszurutschen, da die Stufen der Wendeltreppe durchsichtig waren und mir vom allmählichen Näherkommen des Erdbodens ganz schwindelig wurde. (Wendeltreppen gehen in meinen Träumen partout anders rum, als die hier zuhause; also im Gegenuhrzeigersinn, was bei mir Vertigo auslöst).

Traumszene III - Marat und die Taranteln


Il sueño de la razon produce monstruos by Francisco de Goya - click to enlarge

Unten angekommen stürzte ich auf den Arbeiter zu und war erstaunt, nicht ihn, sondern den toten Marat an seiner Stelle zu erkennen. Dort, wo Jacques-Louis David ihm den Brief in die Hand gedrückt hatte, und was von oben wie zwei schwarze Punkte aussah, waren in Tat und Wahrheit zwei behaarte Taranteln mit glänzenden schwarzen Augen. Eine war wesentlich grösser als die andere, die ganz merkwürdige verformte Beinchen hatte. Sie schienen in einer Art Totenstarre zu sein.

Traumszene IV - Im (vermeintlichen) "Haus der Grossmutter"

Plötzlich war ich mit den beiden Taranteln in der Hand in einem komischen Haus, von dem ich immer wieder träume (oder während des Träumens déjà-vus davon habe). Im Traum sage ich mir immer: "Ah... das Haus der Grossmutter." Wenn ich es aber danach im Wachzustand rekonstruiere, so handelt es sich um ein viel älteres, mit schwarz gefärbtem Eichenholz getäfertes Haus. Mindestens aus dem 18. Jhr. Es hat morsche Dachbalken, auf denen seit neuestem manchmal eine kleine Eule sitzt, vor der ich mich erst stark fürchtete, die aber ganz geduldige Telleraugen hat und immer ganz lieblich den Kopf neigt, wenn sie mir zuruft.

Naja.. diese Nacht war sie nicht da, was mich irgendwie beunruhigte. Jedenfalls stand ich nun da im leeren Haus und beschloss, die Taranteln loszuwerden. Ich wollte sie zuerst zertreten, hatte dann aber Angst, dass das Gift durch meine Schuhsohlen dringen könnte und setzte sie einfach vors Fenster, in der Meinung, sie seien ja eh tot.

Traumszene V - Die Metamorphose der Taranteln und das Erwachen


Der Traum des Schäfers by Johann Heinrich Füssli - click to enlarge

Kaum hatte ich das Fenster wieder geschlossen, begannen die Taranteln zu zittern und sich zu schütteln. Jeweils eines ihrer Beinchenpaare verwandelte sich in riesige, stark geäderte Fledermausflügel; ihre Augen wurden zu aufgerissenen saugenden schwarzen Löchern. Sie holten Anlauf und klatschten rückwärts mit ihren Flügeln gegen die Fensterscheibe. Immer und immer wieder.

Ich konnte mich nicht bewegen, aber ich wusste, dass sie so lange gegen das Fenster klatschen würden, bis der Verschlussmechanismus gebrochen war.

Dann erwachte ich. Ich öffnete das Fenster und blickte in einen noch sternenklaren windigen Morgen - viel zu lau für diese Jahreszeit. Eine Plastikplane hatte sich im nächtlichen Sturm in meinen Fensterläden verfangen und klatschte wild gegen mein Fenster.