Spreading fear and mayhem in the visual arts.

While Interwoven Echoes Drip Into A Hybrid Body

by Suzanne on February 15th, 2006

I realised the other day that I never really post anything of my university "work" here. I guess I just don't want to bore my English readers. On the other hand, my stats reveal that my Swiss, German and Austrian readership is ever-growing and as a big fan of the new German blog avantgarde (1 + 1 = 1, popnutten, Das hermetische Café, male.dei), I thought I could post some German bits and pieces here every now and then.

I'm planning to put some of the more interesting presentations I held this year on Henry Fuseli's erotic art and on gender aspects of the "Hexenhammer" (and maybe some other "research" material) online when I find the time.

Anyway, here's a short 420-word (yes, it had to be that short) review on the exhibition While Interwoven Echoes Drip into a Hybrid Body (now complete with links, pictures and even a video for the bored and/or English speaking! Weeee!) that's on view at the Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich until March 26th, 2006:

Die verwobenen Sinne der Kunst

Das Zürcher Migros Museum hat mit seiner neusten Gruppenausstellung viel gewagt und noch mehr gewonnen.

ZÜRICH. Wer einer Ausstellung den Titel „While Interwoven Echoes Drip into a Hybrid Body“ aufdrückt, selektiert zwangsläufig sein Publikum. Das Kuratorenteam des Migros Museums - Heike Munder & Raphael Gygax – hat sich nicht gescheut, eine jugendliche Zielgruppe zu adressieren und starke künstlerische Pointen zu setzen.

Entstanden ist ein eklektischer Parcours, der das Publikum durch acht spannende Positionen moderner Multimedia- & Performancekunst führt. Hauptanliegen der ausgestellten Werke ist, Schnittstellen zwischen Musik und Kunst zu amalgamieren.

Versuche, Musik zu visualisieren bzw. Kunst zu vertonen, unternahmen schon die experimentellen Avantgardefilmer des frühen 20. Jahrhunderts. Die Stimulierung mehrer Sinne durch ein einheitliches künstlerisches Konzept ist also nicht neu. Den jungen Medienkünstlern geht es aber um mehr: Ihnen schwebt nichts minder als die Neudefinition des verfestigten Skulpturbegriffes vor. Bestimmt und doch immer spielerisch versuchen sie, den Grenzbereich zwischen Skulptur, Performance und Musik auszuloten und auszudehnen.


Installation von Paul Etienne Lincoln - Courtesy of Migros Museum

Am eindringlichsten tut dies wohl Paul Etienne Lincoln mit seiner „Sinfonia Torinese“ - einer Ode an die Stadt Turin. Seine raumfüllende Musikinstallation ist von solch filigraner Komplexität, dass sie alle anderen Werke in den Schatten stellt. Zur enigmatischen Apparatur gehören ein präparierter Reiher, der auf einem Lochkartenpiano spielt und ausgestopfte Vögel, die durch Jagdpfeifen zwitschern.


Installation von Dave Allen - Courtesy of Migros Museum

Diese Nahtstelle zwischen Natur und Dressur untersucht auch der schottische Künstler Dave Allen. In einem klimatisierten Gehege beschallt er Spottdrosseln mit der Klavierkomposition „Catalogue d’oiseaux“. Allen will mit diesem „Biofeedbacksystem“ beweisen, dass die begabten Vögel die Komposition durch natürliche Rückübersetzung erlernen können.


Videostill Björk / Cunningham - Courtesy of Migros Museum

Ganz anders das Künstlerpaar Björk / Cunningham: Im Musikvideo All Is Full of Love wird Björk als humanoider Roboter wiedergeboren und begegnet einem Replikanten ihrer selbst. Die beiden verschmelzen in einem Liebesakt. Sie sind vereinigt und doch einsam, autonom und doch ferngesteuert.

Mit seiner unterkühlten und aseptischen Ästhetik markiert Björks Videoclip einer der faszinierendsten Momente der Ausstellung. Der blendend weisse und bewusst gekühlte White Cube verstärkt den Hybrid- & Robotikcharakter der Performance.

Überhaupt ist lobenswert, dass die Kuratoren den Künstlern viel Wirkungsraum belassen haben. Jedes Werk kann so eine ganz spezifische Aura in den White Cubes entfalten und gleichzeitig mit anderen Werken interagieren. Auf den Gängen vermischt sich nämlich die Experimentalmusik von Michael Portnoy, Loozoo und Björk zu einem bedrohlich pulsierenden Gedröhne. Für einmal hat es sich bezahlt gemacht, bei der Schallisolierung zu sparen.

Eine solch erfrischend reduktionistische Ausstellung hat man im Migros Museum seit Jahren nicht mehr gesehen. Für ähnlich gelungene Konzepte muss man schon auf 2000 und 2001 zurückblicken. Damals waren es Maurizio Cattelan und Wim Delvoye, die mit ihren Ausstellungen La Rivoluzione siamo noi und Cloaca provokativ viel Platz zum Staunen (und Ekeln) liessen. (sg)

Bis 26.03.2006. Nächste öffentliche Führung: Sonntag, 5. März 2006, 15 Uhr.

Sonntag, 26. März 2006, 16 Uhr: Performance von Paul Etienne Lincoln.

Ein Katalog ist in Vorbereitung.

Website: http://www.migrosmuseum.ch